Samstag, 21.03.2026, Sporthalle Gymnasium Waldniel, 14 Uhr: Wie oft Uwe Knechten in den vergangenen Jahren den Anpfiff eines Kinder- oder Jugendhandballspiels von der Seitenlinie aus erlebt hat, kann er vermutlich selbst nicht mehr sagen. Sicher ist nur: In seinen 19 Jahren als Trainer beim Osterather TV dürfte diese Zahl im hohen dreistelligen Bereich liegen – Turniere und Handballcamps noch gar nicht mitgerechnet.
Mit seiner markanten Mönchsfrisur war Knechten über fast zwei Jahrzehnte hinweg eine feste Größe im Jugendhandball des OTV. Ob Minis, F-, E-, D-, C- oder B-Jugend – zahlreiche Mannschaften betreute er mit unermüdlichem Einsatz. Meist stand er an der Seitenlinie, oft kniend, selten sitzend, aber immer voller Energie. Mit markanter Stimme und großem Engagement coachte er seine Teams – und genau damit ist nun Schluss.
Der 57-Jährige hat in letzter Zeit gemerkt, dass er „etwas müde“ geworden ist. Künftig möchte er mehr Zeit mit seiner Frau Sabine verbringen, die ihn all die Jahre stets unterstützt hat. Gleichzeitig hinterlässt Knechten ein bestens bestelltes Feld: In der kommenden Saison wird die Handballabteilung des Osterather TV acht Jugendteams stellen – und anders als früher mangelt es nicht mehr an engagierten Übungsleitern. Das war nicht immer so. In seiner langen Trainerlaufbahn betreute Knechten häufig mehrere Mannschaften gleichzeitig. Unterstützung bekam er dabei von seinen Söhnen Florian und Moritz sowie von engagierten Eltern.
Überhaupt sind seine beiden Söhne der Grund, warum Knechten zum Handball kam. Selber im Karate und Volleyball aktiv, wollten seine zwei Jungs wohl die Ballfertigkeit des Volleyballes und die Körperlichkeit des Karates lieber kombinieren und weigerten sich "standhaft" (Knechten) diese Sportarten einzeln auszuüben. So ging es dann mal in die Handballhalle – und dort blieb die Familie. Aus Spielern wurden schnell auch Trainer und Verantwortliche.
Florian Knechten erinnert sich schmunzelnd an die gemeinsame Zeit: „Einen großen Unterschied gab es zwischen Tribüne und Bank: Als Trainer war er immer ruhig und fokussiert. Aber wenn wir Brüder auf dem Feld zu hart angegangen wurden, wusste man sofort, wo die Knechten-Fraktion auf der Tribüne sitzt. Als Vater war er immer liebevoll, stolz und hat stets die richtigen Worte gefunden.“
Neben seinen eigenen Kindern ist Knechten auch der "Handballpapa" vieler andere Kinder der OTV-Handballwelt. Simon Scheidt, heute Leistungsträger der 1. Herren, bezeichnet ihn so: „Er war mein Handballpapa. Er hat mir alles beigebracht und uns vor allem gezeigt, dass Menschlichkeit wichtiger ist als sportlicher Erfolg.“
Auch Vincent Gauda, Torhüter der 1. Herren, hebt diesen Aspekt hervor: „Bei Uwe stand das Miteinander immer über allem. Das hat uns nicht nur sportlich, sondern vor allem menschlich geprägt.“ Lars Rademacher, Führungsspieler bei den 2. Herren, ergänzt:
„Er ist ein herzensguter Mensch, der sich ständig weiterentwickelt hat und uns unglaublich viel mitgegeben hat.“ Und noch einmal Simon Scheidt: „Für mich ist er das Gesicht der OTV-Handballjugend.“
Eines seiner letzten Projekte in der Handball-Jugendabteilung war es, eine rein weibliche Jugendmannschaft anzustoßen, um so auch den Mädchen eine Handball-Heimat beim OTV zu ermöglichen. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass der OTV nun eine stabile weibliche B-Jugend-Mannschaft hat; die ersten Handballschritte lernten viele der Spielerinnen unter Knechten.
Kapitänin Clara Dupuis: „Uwe war ein großartiger Trainer, der mich von Anfang an begleitet hat. Er hat uns mit viel Geduld und Verständnis geholfen, unsere Fähigkeiten zu entwickeln, als wir noch ganz klein waren. Ich werde ihm immer dankbar sein, dass er mich an den Handball Sport herangeführt hat.“ Mitspielerin Katharina Bruhn war noch länger unter ihm aktiv: „Uwe war der Trainer, der mir den Spaß am Handball gegeben hat. Man hat immer gemerkt, mit wie viel Freude und Engagement er uns trainiert hat.“
Am Handball selbst schätzt Knechten vor allem Schnelligkeit, Fairness, Athletik und Teamgeist. Auch wenn der B-Lizenz-Inhaber selbst nie höherklassig spielte, war er an der Seitenlinie ein „kluger Kopf“, wie Sohn Florian betont, der seinen Teams stets mit Ideen und Spielverständnis weiterhalf.
Immer wenn Uwe aktiv mit Jungs auf der Platte stehen durfte, denen er das Spiel selbst beigebracht hat, waren das seine persönlichen Highlights. Ab und an gab es dabei ein besonderes Schmankerl, wenn bei den 2. Herren mit U. Knechten, F. Knechten, M. Knechten, L. Scheidt, S. Scheidt und N. Scheidt das gesamte Line-up aus zwei Familien bestand, deren Jungs alle mehr oder weniger von Uwe sportlich geprägt wurden.
Samstag, 21.03.2026, ca. 15 Uhr, Abpfiff: Die E-Jugend des Osterather TV wird Meister der Regionsliga. Das Trainer-Duo Conny Kiesewalter und Uwe Knechten streifen sich ihre Meistershirts über und feiern mit ihren "Kids" den Titel. Ein perfekter Abschluss – für eine Saison und für eine beeindruckende Trainerkarriere.
Was Knechten da nach 19 Jahren als Trainer durch den Kopf geht, bleibt sein Geheimnis. Beim OTV und vor allem in der Handball-Jugend überwiegen Wehmut und große Dankbarkeit – verbunden mit einem schlichten: Danke, Uwe, und auf Wiedersehen!
Ganz verabschieden wird sich Knechten jedoch nicht: Als Schriftführer im OTV-Vorstand bleibt er dem Verein erhalten – und auch auf der Tribüne wird man ihn sicherlich weiterhin regelmäßig antreffen.
